• Unbekannter Meister:

KOPF mit Bart und Mütze
Meisterbildnis (?)


Um 1480
Aus Rottweil. Ursprünglicher Standort unbekannt. Fragment, von einem Stein gelöst.

Schilfsandstein. Vollplastisch bearbeitet. Von einer rückwärtigen Steinmasse abgehauen. Meißelspuren auf den Bruchflächen am Hinterkopf und Hals. Keine Verwitterungen. Schwärzliche Alterspatina.
H 22 cm, B 24 cm, T noch 14,5 cm.
Gestützt aufgestellt.


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Der bärtige Kopf wurde 1952 erstmals verzeichnet. Über seine Herkunft gibt es nur Vermutungen. Eine davon bringt den Kopf in Verbindung mit einer der beiden Apostelfiguren vom Kapellenturm, bei welchen die Köpfe infolge Verwitterung abgebrochen sind. Dieser Kopf weist jedoch keinerlei Witterungsschäden auf und war nie im Freien schutzlos dem Wetter ausgesetzt. Nach einer anderen Mutmaßung soll der Kopf von einer jener Prophetenfiguren stammen, welche an der Südwand des Kapellenturms eine der beiden leerstehenden, von den insgesamt vierzehn vorhandenen Konsolen eingenommen haben könnte. Obwohl ähnliche Gesichtszüge bei dem Propheten mit der runden Kapuze vor allem um den Mund spielen, gibt es keine Stilmerkmale des Kopftypus oder der Haar- und Bartbehandlung, welche die Herkunft des Kopfes aus der Rottweiler Bauhütte um die Mitte des 14. Jahrhunderts bestätigen könnten. Außerdem steht beiden Vermutungen der Befund entgegen, daß der Kopf nicht von einer freistehenden Steinfigur genommen ist und nicht ohne Gewalt von einem Stein gebrochen werden konnte.
Mehr Wahrscheinlichkeit liegt in der Vermutung, der Kopf sei von einem tragenden Stein abgehauen worden. Eine Konsole aus weichem Schilfsandstein kann jedoch keine übermäßigen Lasten, wie etwa an einem Gewölbeansatz getragen haben. Die bildnishaften, mehr lebensnahen als idealisierten, durch die ungleichen Gesichtshälften ungemein spannungsvollen Züge dieses bärtigen Kopfes mit der runden Mütze lassen eher den Schluß zu, daß es sich um ein Meisterbildnis handelt, das an gut sichtbarer Stelle im Kircheninnern angebracht war und aus besonderem Anlaß, etwa bei einem Umbau weichen mußte. Ein solches Meisterbildnis kann an dem der Barockisierung geopferten Sakramentshaus im Chor der Kapellenkirche angebracht gewesen sein, wo vermutlich auch das "Weckenmännle", jene Darstellung des unter der Steinlast in die Knie gesunkenen Werkgesellen gestanden hat. Beim Wiederaufbau des Chores der Kapellenkirche wurde dem in Neckarschwaben vielbeschäftigten Baumeister Aberlin Jörg 1478 unter anderem auch das Sakramentshaus verdingt. Der Meister brachte Werkleute von überall her. Das "Weckenmännle" wird als Frühwerk und Selbstdarstellung des Anton Pilgram angesehen, der auf der Höhe seines Wirkens in dem "Fenstergucker" an der Steinkanzel im Stephansdom zu Wien ein weiteres Selbstbildnis hinterlassen hat.
Ein Unterschied von mehr als einem Jahrhundert liegt zwischen den Datierungen der genannten Vermutungen. Die Datierung in die Zeit der Rottweiler Bauhütte, also spätestens um 1370, er scheint wenig wahrscheinlich. Dagegen hat die Beurteilung des steinernen Kopfes als Fragment eines Meisterbildnisses aus der Zeit um 1480 viel für sich. Ein Stilzusammenhang mit dem als Frühwerk des Anton Pilgram angesehenen "Weckenmännle" kann jedoch nicht gefunden werden.